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Courses of Action

3-teilige Videoinstallation | Plattform Zürich, 2011

Silvia Popp hat etwas zu sagen. Ihre Kunst ist Recherche, Dienstleistung und soziokulturelles Engagement. Die Künstlerin nimmt sich ihren Raum und stellt sich in persona ihrem Publikum – sei es nachts als Interveneurin in einem öffentlichen Park oder in ‹business casual› als offizielle «Leerstandsbeauftragte» vor einem interessierten Publikum. In einem Spiel mit Rollen adressiert Silvia Popp etablierte Künstler- und Betrachterkonventionen und setzt sich eng und ernsthaft mit ihrem Publikum auseinander. In dem von Firmen, Planerinnen und Reglementen besetzten öffentlichen Raum lotet die umtriebige Künstlerin Bewegungs- und Handlungsspielräume aus und nähert sich dabei der Grenze des Legalen und Tolerierten; aber auch des Sinnigen. So dekonstruiert sie die Logik des urbanen Raums, wenn sie selber einen öffentlichen Ort abgrenzt und somit besetzt, um Leerraum für die Allgemeinheit zu schaffen. Bedient sie sich ökonomischer Methoden wie der Kundenbefragung, so wird immer ihre clever-kritische Haltung deutlich, und irgendwo klingt der bald augenzwinkernde Anspruch auf, unsere ökonomisierte Lebenswirklichkeit umzugestalten und die Gesellschaft zu verbessern. Sarah Stocker, Jury Plattform11


Square Pieces

Videoperformances (#1 Video 5’07’’, #2 Video 9’41’’) | Ausstellung „Ja, nein, vielleicht.“ Kunstmuseum Thurgau/Kartause Ittingen, 2009

«Unser Bemühen und unsere Berufung bestehen vornehmlich darin, uns dem Schweigen und der Einsamkeit der Zelle zu widmen. […] Oft zieht dort das Wort Gottes die treue Seele an sich, der Bräutigam verbindet sich mit seiner Braut, Himmlisches wird dem Irdischen, Göttliches dem Menschlichen geeint.» Statuten Kartäuser Orden


sunsets

fotografische Serie, Grösse variable | 2008/2009

Eine Hommage an die idyllischen und romantischen Sonnenuntergänge. In städtischer Umgebung, an anonymen Orten, wird das gerahmte Sunset-Posterbild erneut inszeniert. Die Protagonistin ist, ob als erkennbare Bildträgerin oder anderweitig, immer im Bild zu sehen.


Women of Influence

Installation/Videoperformance (6 gerahmte Filmstills, Video ‘die Abenteuer der Silvia P.‘, Maske Silvia P.) | Ausstellung Swiss Art Awards Basel, 2008
Versteigerung Maske ‚Electric Rendez-Vous‘ plug.in, Basel 2007

Die Filmgöttinnen steigen vom Olymp herab und Silvia P. versucht in ihren Abenteuern den Fragen, was sich in ihren Köpfen abspielt und wie sie Glamour in den häuslichen Alltag bringen, auf den Grund zu gehen. Ihre daraus entstandene Rolle gibt Silvia P. auf einer Internetplattform zur Versteigerung frei. Auch Weitere sollen somit die Möglichkeit haben, dank einem Rollenwechsel die Welt aus anderen Augen zu sehen.


Tolerantismus

Video (2’41’’ Farbe/MiniDV PAL anamorph/Stereo) | 2007

Zürcher Wahlplakate, bestehend vorwiegend aus dem Konterfei der Kandidierenden sowie plakativen Wahlslogans, werden von der Protagonistin durch eine Plakatverbesserungsaktion mit einem weiteren Attribut versehen. Zusätzlich läuft die monoton vorgelesen Erklärung zur Toleranz, welche vom Internetportal «wikipedia» stammt. Es wird in groben Zügen die Wortherkunft und Bedeutung umschrieben und unter anderem auch die negativen Seiten des Toleranzbegriffs ausgeleuchtet. Nachdem auf allen Plakaten das Attribut ergänzt worden ist, bleibt Ratlosigkeit zurüück. Wer macht denn nun das Rennen wenn sich alle mit demselben homogenen Begriff schmücken?


Exkulpation

Video (1’48’’ Farbe/MiniDV PAL anamorph/Stereo)  Videobeitrag für das neue Stadion Letzigrund Zürich, Silvia Popp & Mary Leidescher, im Auftrag für das Amt für Hochbauten Stadt Zürich, 2007

Die Kamera filmt von hoch oben mit lustvollem und distanziertem Blick winzige Menschen, die sich Ameisen ähnlich durch die städtische Miniaturlandschaft bewegen. Das Bild des interessenlosen Wohlgefallens, das Immanuel Kant zur Voraussetzung der ästhetischen Betrachtung postuliert hat, fällt zusammen, als die Kamera plötzlich hinabstürzt, gefolgt von der Filmerin, die schreit. Wer nun folgert, Hochmut komme vor dem Fall, sieht sich getäuscht. Susann Wintsch, Kuratorin